Bericht eines Besuchers
Herman van Veen, 65 Jahre in Wort und Bild.
Ich kenne ihn seit rund 35 Jahren
und fragte mich schmunzelnd und neugierig, wie das wohl gelingen kann.
Hat man vielleicht ein Hochhaus gemietet, um all die Dinge zu zeigen,
die dieser Mann im Laufe seines bisherigen Daseins getan und auf den Weg gebracht hat?
So fuhr ich an einem hysterisch warmen Sommerfreitag zur Eröffnung nach dem mir bis dahin unbekannten Emmerich an den Rhein und war komplett erstaunt. In bahnbrechender Weise ist es allen Beteiligten gelungen, mit einem multimedialen Ausstellungskonzept und mit hohem ästhetischem Anspruch auf zwei Etagen einen repräsentativen Querschnitt durch Herman van Veens bisheriges Gesamtkunstwerk und Engagement zu zeigen.
Man geht und erinnert sich. Trifft bekannte Gesichter. Freude kommt auf bei gut Vertrautem. Staunen bei bis dato Unbekanntem.
Bildschirminstallationen zeigen wie im Zeitraffer Bühnen- und Fernsehshows aus über 40 Jahren. Schöne, aufregende Zeitreise. Oft war man dabei.
Seine Geisteskinder wie Alfred J. Kwak, Colombine oder Jan de Man sind ebenso vertreten wie die vielen kleinen Brillanten der Theaterkunst. Mata Hari, Windekind oder auch die Musiktheatervorstellung Op een Dag in September sollen hier stellvertretend genannt sein. Die schönsten, seiner von ihm ausgewählten Gedichte projiziert auf einem Ballon, Theaterkostüme, Videos, Tischtennisbälle, Fotos, Comics, Dokumentation seines Einsatzes für Kinderrechte u.v.m.
Wenn man sich umdreht, gibt es Neues zu entdecken, kommt ins Geplauder mit anderen Gästen. Gemeinsame Reisen in die Erinnerung.
Hell und exzellent platziert sind die Dinge. In der unteren Etage liegen tausende Rosenblätter. Ein unverkennbares Zeichen dafür, dass Herman van Veen selbst Regie geführt hat beim Ausstellungsaufbau. Die Frau, die die Rosen zerpflückte muss noch heute duften, denke ich.
Ich selbst war am meisten von seinen Gemälden angetan. Man könnte meinen, sie stehen in wunderbarem Kontrast zu dem höchst präsenten, vielfältigen Sänger, Erzähler, Musikanten und Harlekin auf der Bühne und machen doch das Spiegelbild erst komplett. Großformatig sind die Werke meist und farbintensiv, aber zugleich niemals erschlagend. Da schwelgt ein Mann in Farbe und Ästhetik, da ist er im Rausch und kann wohl nicht anders. Nichts scheint dem Zufall überlassen, doch simultan fühlt man, dass der Künstler kein Ziel gehabt haben kann. Das Thema entstand beim Malen. Er stieg in die Leinwand und wurde eins mit dem Bild. Alles Erfahrene und Künftige tönt in Dur und Moll aus der Farbe.
Ein bisschen irritieren mich einige Titel. Mag es lieber, wenn ich das Bild erzählen lasse.
Ich kann ihn mir beim Malen gut vorstellen. Musik im Kopf, Poesie, Erinnern, Träume, sein Sinn für klare Schönheit, Sehnsucht und auch die Trauer, das alles findet sich wieder in den Bildern, die ich mit einem Wort beschreiben kann: Harmonie
Zwei mochte ich besonders:
Ein etwas kleineres Werk. Schwarz mit gespachtelter Struktur. Ähnlich verbranntem Holz und in der Mitte leuchtet durch einen Spalt hindurch ein enorm glühendes Rot gleich einem: ‚Trotz alledem’.
Ich sagte es ihm. Wir schwiegen ein bisschen.
Und dann ist da noch ein helles Graues. Sehr groß und an stiller Eleganz kaum zu überbieten. Es ist die Ruh.
Herman malt noch nicht allzu lang. Doch seine Werke, die oft mit eigenen Wortfragmenten, filigranen Linien und organischen Elementen vollendet sind, werden mehr und mehr zu unverkennbaren Van Veens.
Es gab einen Augenblick, da saß er allein auf einem Stuhl, hielt die Augen eine Weile geschlossen. Neben ihm ein riesiges Gemälde. Rot in Rot in Rot.
Sein Gemälde. Das Rot hatte sich auf seinem Gesicht verfangen.
Er schien in Liebe getaucht. Hab den Moment genossen.
Ich kannte seine Mutter nicht, doch ich weiß, wie er enorm er sie liebt. Hab mir den Bildtitel nicht gemerkt. Ich aber hätte es 'Mutter' genannt.
Kurzum: Wer mag, der sollte nach Emmerich an den Rhein kommen und ein staunen, entdecken, erinnern, planen. Es lohnt sich.
Ist das ein Lebenswerk?
Ich bezweifle das. Lebensabschnittswerk wohl eher, denn Herman van Veen arbeitet schon wieder an neuen spannenden Dingen, setzt sich weiterhin für die Kinderrechte ein und wie ich weiß, entstehen auch schon neue Malereien.
Danke an alle im Hintergrund und Herman van Veen
Man sieht sich.
Eine Besucherin